9. Mai – Veranstaltungen in Retz

Erinnerung an das NS-Regime und das Ende des Zweiten Weltkriegs sowie an den Neubeginn 1945

Die Tage um den 8. Mai – der Jahrestag der bedingungslosen Kapitulation der Deutschen Wehrmacht – stehen seit einigen Jahren in der Öffentlichkeit immer mehr im Zeichen der Erinnerung an das Jahr 1945.  Wir erinnern an das Ende des Zweiten Weltkriegs und an die Befreiung vom nationalsozialistischen Regime nach sieben Jahren und an die Wiederherstellung der Republik Österreich. Viele Gedenkfeiern gibt es, den Höhepunkt bildet das „Fest der Freude“ am Heldenplatz, das seit 2013 regelmäßig stattfindet.

Im Zuge des Projekts RETZ 1945, das im Mai 2024 startete, haben wir jedes Jahr mit Bedacht Veranstaltungstermine am und um den 8. Mai gewählt. Für die Region Retz hat das Datum zusätzlich eine besondere Bedeutung, da in den Abendstunden des 8. Mai 1945 die Befreiung durch die Rote Armee erfolgte.

Stadtspaziergang Retz am 9. Mai 2026
Stadtspaziergang am 9. Mai 2926

Am Samstag, 9. Mai 2026 führten Hildegard Schmoller und ich den Stadtspaziergang „Auf den Spuren der Zeitgeschichte in Retz. Vom ‚Anschluss‘ 1938 bis zur Befreiung 1945“ durch. Nach den drei Terminen im Herbst 2025 ist das Interesse an diesem Rundgang ungebrochen – die 25 Plätze waren bereits drei Wochen zuvor ausgebucht.

Ankündigungsplakat Filmabend

Am Abend folgte die Hauptveranstaltung – ein Filmabend im Kulturhaus Schüttkasten. Hildegard Schmoller hat dafür die Zeitzeugeninterviews aus den Jahren 2019 und 2024/25 ausgewertet und einen einstündigen Film gestaltet: „RETZ 1945. Menschen erinnern sich. Lidé vzpomínají.“ In persönlichen Interviews erzählen mehrere Personen, die zur Zeit von NS-Diktatur Kinder und Jugendliche waren, von ihrem Alltag zu Hause und in der Schule, vom Eindringen der nationalsozialistischen Ideologie in ihre Lebenswelt, von eigenen Beobachtungen und Erlebnissen sowie von der Befreiung durch die Sowjetarmee und den schwierigen Jahren des Neubeginns. Ihre Erinnerungen machen Geschichte spürbar und sind ein berührendes filmisches Zeugnis einer Generation.

Über 70 Personen waren bei dieser Filmpremiere anwesend. Der Abend gab Gelegenheit, weitere Erinnerungen an diese Zeit zu teilen und miteinander über Geschichte und Gegenwart zu diskutieren. Seit 1945 lebt die Bevölkerung in Österreich in Frieden und Demokratie. Historisch gesehen ist das ein seltenes Glück – und diese Phase währt erst ein langes Menschenleben: über 80 Jahre.

Freiheit, Frieden und Demokratie sind keine Selbstverständlichkeit. Es ist mir ein großes Anliegen, mit meiner Arbeit dafür Bewusstsein zu schaffen. Was bedeutet Diktatur? Was bedeutet Krieg? Die Traumata solcher Zeiten wirken bis heute und gehen auch über Generationen. Niemals vergessen! Und immer im Sinne einer demokratischen Gesellschaft handeln.

 

RETZ 1945 | Begleitveranstaltung über die Jüdinnen und Juden von Retz

„Warum Sie seinerzeit Retz verlassen haben, ist dem Stadtamt nicht bekannt …“ Erinnerung an die Jüdinnen und Juden von Retz | Vortrag von Stadtarchivar Dr. Thomas Dammelhart

24. Oktober 2025 | Kulturhaus Schüttkasten RETZ, Pfarrgasse 9 | Eine Begleitveranstaltung der Sonderausstellung „RETZ 1945. Die Region zwischen NS-Diktatur, Krieg und Neubeginn“

Seit 24. Jänner 2026 online zu sehen! Auf dem YouTube-Kanal des Museum Retz. [Zum Video]

Der „Anschluss“ und das NS-Regime bedeuteten die Katastrophe für die jüdische Bevölkerung, auch in Retz. Sofort waren sie Diskriminierungen und Demütigungen ausgesetzt. Sie galten nicht als Teil der „deutschen Volksgemeinschaft“ und verloren ihre Rechte. Ende September 1938 musste die jüdische Bevölkerung die Region aus „Sicherheitsgründen“ verlassen. Was geschah mit den Menschen? Wer kehrte nach 1945 nach Retz zurück?

Für das Schicksal der Jüdinnen und Juden von Retz war bis vor wenigen Jahren in der öffentlichen Erinnerung kein Platz. Doch 2023 widmete die Stadtgemeinde ihnen eine Gedenktafel am Rathaus. Der Retzer Stadtarchivar Dr. Thomas Dammelhart rechercherierte dafür die wichtigsten Fakten. Diese präsentierte er an diesem Abend einem sehr interessierten Publikum.

Vortragender Thomas Dammelhart
Stadtarchivar Dr. Thomas Dammelhart
Publikum im Kulturhaus Schüttkasten Retz
Publikum im Kulturhaus Schüttkasten Retz

Der Vortrag fand nicht wie ursprünglich geplant im Museum Retz statt, da sich im Vorfeld ein großer Andrang abzeichnete. Das Museumsteam regierte rechtzeitig und organisierte dafür das KULTURHAUS SCHÜTTKASTEN RETZ. Etwa 140 Personen kamen zu dieser Begleitveranstaltung der Sonderausstellung „RETZ 1945“. Über das Interesse der Menschen freue ich mich sehr.

RETZ 1945 | Ausstellungseröffnung

Sonderausstellung im Museum Retz

RETZ 1945. Die Region zwischen NS-Diktatur, Krieg und Neubeginn

RETZ 1945 - Eröffnung der Sonderausstellung am 26.4.2025

Vor achtzig Jahren endete der Zweite Weltkrieg, die Alliierten befreiten Europa vom Nationalsozialismus. Die Sonderausstellung beleuchtet, wie die Menschen in Retz und Umgebung die NS-Diktatur, den Weltkrieg und den schwierigen Neubeginn unter sowjetischer Besatzung erlebten. Zu sehen sind Objekte aus dem Museum Retz und dem Stadtarchiv. Vor allem hat die Retzer Bevölkerung viele historische Gegenstände, Dokumente, Zeitzeugenberichte und Fotos zur Verfügung gestellt. Sie machen die Geschichte der Region persönlich und lebendig.

Die Sonderausstellung ist im Museum Retz (Znaimerstraße 7) zu den Öffnungszeiten zu sehen.

Zur Eröffnung am 26. April 2025 kamen über hundert Personen, nicht nur aus der Region Retz, sondern auch aus Wien und Znojmo. An diesem Abend führten die Kuratorinnen Julia Köstenberger und Hildegard Schmoller in die Ausstellung ein.

Ausstellungseröffnung 26. April 2025
Ausstellungseröffnung am 26. April 2025
Die Kuratorinnen Julia Köstenberger und Hildegard Schmoller im Gespräch
Die Kuratorinnen Julia Köstenberger und Hildegard Schmoller im Gespräch

 

 

 

 

In der Sonderausstellung
In der Sonderausstellung

Auch an der ersten Begleitveranstaltung am 9. Mai 2025 herrschte großes Interesse. Über achtzig Bersucher*innen hörten die Vorträge von Julia Köstenberger und Niklas Perzi zum Thema „APRIL/MAI 1945. Zwischen Angst und Hoffnung“. Sie erinnerten an die dramatischen Ereignisse dieser Wochen.

Ankündigungsplakat zur Veranstaltung am 9.5.2025Im April und Mai 1945 herrschte in der Region Retz Chaos. Es fanden die letzten Kämpfe des Kriegs statt: Bomben, zurückziehende Soldaten, flüchtende Menschen, Endphaseverbrechen der Nationalsozialisten. Nach der Befreiung durch die Sowjetarmee lebte die Bevölkerung zwischen Hoffnung und Unsicherheit. Und tausende vertriebene Menschen aus Südmähren suchten in Retz Zuflucht.

Weitere Begleitveranstaltungen zur Sonderausstellung sind im Herbst 2025 und auch 2026 geplant. Informationen folgen rechtzeitig.